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Be like a bee: Neues Klangerlebnis im AUDIOVERSUM

Kennt Ihr unsere SOUND-GALLERY? Im Rahmen unserer Hauptausstellung zeigen wir auch Bildende Kunst, die von verschiedenen Sound-Installationen umrahmt wird. Derzeit ist die Ausstellung der deutschen Fotografin und Filmregisseurin Franziska Stünkel zu sehen. Zu hören ist die Klanginstallation AUDIOSPACE, die aus dem Hören ein 360-Grad-Erlebnis macht. 13 Lautsprecher und ein Subwoofer erzeugen eine Art Klangkuppel, die die ZuhörerInnen auf eine virtuelle Reise mitnehmen. Wie klingen ein Chorgesang in der Sixtinischen Kapelle, Geräusche mitten im Regenwald oder das Gebrüll wilder Tiere hautnah? Die halbstündige Audio-Installation bietet Hörerlebnisse, die Originalen erstaunlich nahekommen. Diese sogenannte immersive 3D-Audiotechnologie ermöglicht, dass die Klänge so aus den Richtungen der Lautsprecher kommen, dass sie die ZuhörerInnen in den Sound einhüllen.

Seit kurzem wurde unsere Klanginstallation um eine experimentelle Aufnahme erweitert. Dafür verantwortlich zeichnen die beiden Tiroler Musiker und Künstler Maurizio Nardo und Ekehardt Rainalter. Mit ihrer Klanginstallation „Be like a bee” versuchten sie – ähnlich der Arbeitsweise der Bienen – die Klangkuppel als Bienenstock zu begreifen und die „Waben“ durch das Arrangieren von Samples, Beats, Atmosphären und Motiven zu füllen.
Ich erreichte Maurizio Nardo per Videotelefonie in Süditalien:

Bevor wir über Eure Klanginstallation sprechen, würde ich gerne etwas über Deinen persönlichen Zugang zur Akustik erfahren. Was fasziniert Dich am Medium Sound?
Musik hat mich immer schon begeistert, weil sie etwas verlässlich antriggern kann. Auf einer unbewussten Ebene wird dabei etwas ausgelöst, eine Art Erinnerungsspeicher. Musik hebelt das Denken aus. Das können visuelle Dinge aus meiner Erfahrung nicht.

Ist Klangkunst direkter oder intensiver als beispielsweise bildende Kunst bzw. kann man die Künste überhaupt trennen?
Ich behaupte mal ganz frech, dass Musik die wichtigste Kunstform ist, das sagt ja auch schon der Name, der sich von den Musen ableitet. Mir gefällt Film, bildende Kunst oder Performance. Musik ist allerdings der direkteste Weg, um an den Kern zu gelangen.

Wie seid ihr in der Komposition vorgegangen? Entsteht hier auch Zufälliges oder ist das Stück durchkomponiert, die Geräusche auf die einzelnen Lautsprecher zugeordnet?
Zufall spielt sicher eine Rolle. Es herrscht immer ein Wechselspiel zwischen Überraschung und gezieltem Arbeiten. Ohne diese zwei Elemente kann ich mir Musikmachen nicht vorstellen. Ich wäre sicher kein guter Orchestermusiker, dort fehlt mir das Überraschungsmoment. Das Wechselspiel zwischen dem Ordnen und Arrangieren und dem gleichzeitigen Ausgeliefertsein, ist für mich sehr wichtig, sei es jetzt live auf der Bühne oder eben auch in der Konstruktion einer Klanginstallation wie dieser. Während der Komposition haben wir auch gemerkt, wie schwierig es ist, das Gesamtwerk im Studio herzustellen. Das Herstellen räumlicher Klangzustände hat durch die Digitalisierung eine Form von Freiheit erreicht die, wie jede Freiheit, auch Beliebigkeit und Leere nach sich zieht. Dagegen wehren wir uns mit deren eigenen, digitalen Mitteln. Wir haben Technik in unserer Arbeit immer als unzuverlässig und menschlich verstanden. Sinneseindrücke und Datenströme können Vertrauen herstellen aber auch trügerisch sein.
Einen Raum mit mehr als zwei Boxen zu bespielen – also hier insgesamt 14 Boxen – war für mich Neuland. Daher war es wichtig, dass wir im Vorfeld auch immer wieder vor Ort waren, um uns mit dem Raum und der Technik zu arrangieren.

Woher stammen die Aufnahmen?
Das sind alles Samples, die im Umfeld unseres Labels (VerschubuRecords) entstanden sind. Heute am Morgen habe ich hier am Strand auch schon aufgenommen. Viele der Klänge und Zutaten hatten wir schon im Archiv, die Bienen haben wir gezielt für die Installation aufgenommen.

Apropos Bienen, wie seid ihr darauf gekommen?
Uns hat sich diese Assoziation recht schnell aufgedrängt als wir uns mit der Installation hier im AUDIOVERSUM beschäftigt habe. Die Lautsprecher sah ich als Waben, die es zu befüllen galt. Das Narrativ des Bienenvolks hat sich hier auch angeboten. Die Bienenzucht ist eine so alte, kulturelle Errungenschaft des Menschen, also Insekten dazu nutzen, um Nahrung herzustellen. Ich erinnere mich an eine Geschichte, dass im antiken Griechenland der Mythos bestand, die Bienen entstehen aus einem Rindskadaver und standen daher symbolisch für die Überwindung des Todes, für Fruchtbarkeit und Neuanfang.
Das soziale Zusammenspiel des Bienenvolkes ist auch sehr faszinierend. Die Arbeit der Biene trägt zur Gesamtgestalt bei, gleichzeitig ist sie in diesem Gefüge austauschbar, wie ein Legostein und dennoch gliedert sie sich ein. So ähnlich verhält es sich auch in unserer Musik. Einzelne Töne oder „Automationen“ sind ebenfalls austauschbar, durch die Orchestrierung entsteht dann etwas Lebendiges, wie eben der zähfließende Honig in der Wabenstruktur der Bienen.
Die ersten Entwürfe waren noch etwas düster. Das ist ein Stilelement, das mir und uns gar nicht mehr auffällt – ich mache ja seit Jahrzehnten beklemmende Musik (lacht). Durch die Bienenthematik wird das auch noch ein Stück weit entschärft. Die melancholischen Momente gehören aber trotzdem zu dieser Komposition und auch zum Leben dazu.

Wie wichtig ist der Raum dabei? Sollen sich die BesucherInnen beim Zuhören darin bewegen, die Augen schließen oder spielt das hier keine Rolle?
Der Raum spielt eine große Rolle. Seine realen Grenzen werden einem gerade durch die digitale Manipulation bewusst. Im Grunde wird die Rolle des realen Raumes zugunsten eines Wunsch-Raumes verdrängt. Viele Menschen haben heute das Bedürfnis einzutauchen, vielleicht weil sie den realen Raum als begrenzt erleben. Dabei vergisst man in dem Augenblick aber das Zuhören. Es gibt auch sehr schöne Fotos im Raum, auf die man sich ebenfalls konzentrieren kann. Man sollte einfach nichts zu ernst nehmen.

Ist das Deine erste Museumsarbeit?
Ich habe bereits Erfahrungen im Rahmen von Ausstellungsdesign und habe auch schon Klanginstallationen umgesetzt, wie etwa in der Ausstellung der Tiroler Landesmuseen „Kunst in Tirol der Nazi-Zeit“. Ekehardt hat 2011 Vanity&Hi Fidelity für Julia Bornefeld im Ferdinandeum produziert.

Was sollen die BesucherInnen hier mitnehmen?
Eine gezielte Absicht gibt es für mich nicht. Das beste Feedback ist sicher, dass sich jemand in der Situation der SOUND-GALLERY wohlfühlt, die Atmosphäre der Klangkunst genießt und vielleicht für weitere, kreative Vorhaben inspiriert wird.

Die Klanginstallation „Be like a bee” kann ab 02.10.2021 zu den regulären Öffnungszeiten des AUDIOVERSUM (Di-So von 10-17 Uhr) in der SOUND-GALLERY im ersten Stock erlebt werden.

Das Gespräch führte Michaela Pletzer.

 

 

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