logo

Wir fragen bei MED-EL nach

AUDIOVERSUM-Expertentalk mit Alexander „Ali“ Mayr – Head of Implant Manufacturing in Innsbruck

Im zweiten Teil unserer AUDIOVERSUM-Expertentalks treffen wir heute Ali Mayr in der MED-EL World. Hier bieten wir spannende Einblicke in die Welt der Hörimplantate, an deren Entstehung und Entwicklung Ali von Beginn an maßgeblich beteiligt ist.

Ali Mayr zeigt uns das erste Mitarbeiter-Bild aus dem Jahre 1990 auf unserer Meilenstein-Wand in der MED-EL-World.

 

Die Anfänge
Oktober 1985. In Wien steht das revolutionäre Hundertwasserhaus kurz vor seiner Fertigstellung. Im selben Monat übersiedelt der junge HTL-Absolvent Ali Mayr in die Bundeshauptstadt, um eine Technik zu erlernen, die sich bald darauf in Innsbruck zur High-Tech-Innovation entwickeln sollte: Die Hörlösungen von MED-EL. In den vergangenen 36 Jahren ist das Unternehmen beständig gewachsen. 2018 wurde das neue Manufacturing-Gebäude eröffnet – mit dem Hundertwasserhaus hat es nichts gemein, bahnbrechend ist es dennoch.

1990 warst du einer der ersten Mitarbeiter bei MED-EL. Deine Arbeit begann aber schon im Oktober 1985 in Wien – wie kam es dazu?
Beim einjährigen Maturajubiläum in Innsbruck hat der damalige Assistent von Prof. Erwin Hochmair, Dr. Norbert Nessler erzählt, dass Tiroler Techniker in Wien gesucht werden. Wolfi (Anm. Wolfgang Fitz) und ich wurden damals ausgewählt. So begann ich im Oktober 1985 am Institut für Allgemeine Elektrotechnik in Wien, in der Gußhausstraße. Dort wurde uns von den ansässigen Technikern alles Notwendige gelernt und übergeben.

Aus deinem Mund klingt die sehr komplexe Erfindung recht einfach. Wie ging es weiter mit deiner Tätigkeit für MED-EL?
Alles was komplex ist, braucht eine fundierte Basis. 1986 – ich kann mich erinnern, dass es ein Faschingsdienstag war – übersiedelte das 6-köpfige Wiener Team ans Institut für Angewandte Physik in Innsbruck. An der Technischen Uni bauten Wolfgang und ich die ersten Komponenten, die sich die Entwickler ausgedacht haben.

Das heutige Headquarter von MED-EL am Innsbrucker Fürstenweg

Im März 1990 wurden Wolfi und ich als erste Mitarbeiter der Firma MED-EL Elektromedizinische Geräte GmbH eingestellt. Die externen Komponenten wurden zuerst noch in den provisorischen Firmenräumen in der Höttinger Au, erst später am Fürstenweg hergestellt. Die Implantate wurden bis 1999 an der Uni gefertigt. Mit dem Bau des ersten Reinraumes – also ein Ort der eine völlige schmutz- und staubfreie Herstellung ermöglicht – übersiedelte auch die Implantat-Fertigung an den jetzigen Standort am Fürstenweg. Durch die Entstehung anderer Gewerbegebiete in  Innsbruck, wie die Rossau beispielsweise, konnten wir am Standort Fürstenweg auch laufend expandieren. Das war ein großes Glück. Die Nähe zur Uni und zur Klinik sind zudem ideal für uns.

Farbpsychologie im neuen Fertigungsgebäude der Firma MED-EL

Im Jahre 2018 wurde unser neues Produktionsgebäude fertiggestellt, das auf über 13000 qm unsere hochwertigen Rein-, Fertigungs- und Büroräume umfasst. Bei der Ausstattung arbeiteten wir mit Farbpsychologen zusammen, um für unsere MitarbeiterInnen – gerade in den Reinräumen – ideale Arbeitsbedingungen zu schaffen. Mit dem Resultat haben wir sogar den Kreativpreis der Reinraumindustrie 2018 erhalten. (Link am Ende des Beitrages)

Das Exponat Miniaturisierung in der MED-EL World im Innsbrucker AUDIOVERSUM

In unserer MED-EL-World zeigen wir unter anderem auch die Entwicklung der Prozessoren. Die Technologie hinter den Hör-Produkten wurde im Laufe der Jahre immer kleiner. Wie wurde das möglich?

In der Produktion von Hör-Implantaten bauen wir ganz stark auf bewährtes Materialwissen. Bei bestimmten Komponenten sind wir allerdings sehr technologiegetrieben, hier verwenden wir immer die neuesten und kleinsten Teile. Vor allem seit der Einführung der SMD-Technologie ist das weniger aufwändig geworden. Früher mussten Drähte noch händisch abgezwickt und angelötet werden. Bei unseren sichtbaren Produkten, wie es eben Prozessoren sind, spielt besonders die Optik eine große Rolle.

Das Cochlea-Implantat ist eine Erfindung, die das Leben von so vielen Menschen verbessert hat. Hättest du dir das jemals vorgestellt, dass eine weltumspannende Idee daraus wird?
Ich war von Anfang an neugierig. Das war auch der Grund für meine Bewerbung damals. Die Chefin (DI Dr. Ingeborg Hochmair) hat uns 1986 die Elektrodenfertigung beigebracht, anschließend komplett an uns übergeben. Alle seither hergestellten Implantate sind unter meiner Verantwortung rausgegangen, das habe ich mir damals natürlich nicht vorstellen können, aber es ist ein gutes Gefühl. Deshalb bin ich heute sehr mit meiner Arbeit und den Produkten von MED-EL verbunden.

Ali Mayr zeigt der Leiterin des AUDIOVERSUM, Julia Sparber-Ablinger, das neueste Cochlea Implantat der Firma MED-EL

Ist die Herstellung eines Hör-Implantates ein anonymer Prozess oder besteht eine Beziehung zum Nutzer eines CI (Anm. Cochlea Implantat)?
An der Uni wurde mir auch die Anpassung gelernt, so hatte ich lange Zeit meine Tiroler Patienten, die damals noch mit ihren analogen Geräten zu mir gekommen sind. Es entstand eine persönliche Beziehung zum Nutzer, das war sehr schön. Mittlerweile werden unsere Nutzer in 30 Niederlassungen weltweit von den dortigen MitarbeiterInnen professionell betreut.
MED-EL bietet fünf verschiedene Hörsysteme an, um jede Art von Hörverlust behandeln zu können. Ist es richtig, dass diese hoch-technologischen Produkte auch in Handarbeit hergestellt werden?
Der Handarbeitsanteil ist sehr groß und die erforderliche, menschliche Genauigkeit ebenso. Hier sind Konzentrationsfähigkeit, Geduld und feinmotorische Fähigkeiten gefragt. Aber es gibt natürlich auch viele teilautomatisierte Prozesse in der Herstellung der Hörsysteme.

Über die Schulter geschaut bei der Elektrodenfertigung

Was sind die besonderen Herausforderungen bei medizintechnischen Produkten?
Es ist sehr schön zu wissen, dass wir Menschen mit jedem Implantat zum besseren Hören verhelfen. Jeden Tag sind das ein paar mehr (lacht).
Alles was die Reinräume unseres Manufacturing-Gebäude verlässt, wird in den menschlichen Körper implantiert – diese Verantwortung ist natürlich enorm. Die Qualität muss gelebt und exakt eingehalten werden. Natürlich gibt es Messpunkte und Kontrollen, aber die grundsätzliche, konzentrierte und richtige Arbeit muss von meinem Team durchgeführt werden. Mit dem Implantat geht man eine Partnerschaft mit dem Patienten ein – dessen muss man sich in der Produktion besonders bewusst sein.

Zum Abschluss noch die Frage, hattest du bei uns so etwas wie deinen persönlichen AUDIOVERSUM-Moment?

Ali Mayr klickt sich durch unsere neue Zeitleiste in der Hauptausstellung des AUDIOVERSUM

Zum AUDIOVERSUM habe ich seit der Eröffnung eine besondere Beziehung. Hier in der MED-EL World kann ich unseren Partnern die breite Palette der MED-EL High-Tech Exponate zeigen. Aber auch die Hauptausstellung zeigt verständlich auf, wie der Hörsinn wirklich funktioniert. Vor allem das Exponat der Knochenleitung macht das Prinzip und die Technologie, die unseren Produkten zugrunde liegt, richtig gut vorstellbar.
Zum Abschluss unseres Expertentalks haben wir Ali Mayr auch unsere VR-Brille ausprobieren lassen, mit der man sein Gleichgewichtsorgan testen kann. So viel sei verraten: He kept his balance!

Ali Mayr beim Exponat KEEP YOUR BALANCE

Es war ein sehr anregendes Gespräch mit dem Head of Implant Manufacturing von MED-EL.
Bitte gerne wieder auf unserer Blogseite vorbeischauen, hier gibt es immer wieder Interessantes zu entdecken, Eure Michaela!

Der Videolink zum Creative Design Award 2019 ist HIER

Social Wall

Melde dich zum Newsletter an

Jetzt anmelden
Vielen Dank für Ihre Anmeldung Sie sind bereits abonniert. Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.