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Game on – so wird Wissenschaft zum Spiel!

24. Juni 2020

Game on – So wird Wissenschaft zum Spiel!
Ähnlich wie unser binaurales Spiel in der Hauptausstellung ABENTEUER HÖREN soll hier die Fähigkeit getestet werden, Geräusche zu lokalisieren. Das wird durch unsere zwei Ohren möglich. Nur mit beiden Ohren verfügen wir über die Fähigkeit, uns auch bei Hintergrundlärm auf unsere Gesprächspartner zu fokussieren und länger konzentriert zuzuhören.

Als Physiker und Forscher bei MED-EL, dem führenden Unternehmen in der Entwicklung innovativer Lösungen für Hörverlust, ist Peter Schleich mit diesem Thema verbunden. Zur Entstehung der neuen Plattform darf ich ihn heute interviewen.

 

Game on – so wird Wissenschaft zum Spiel!
Game on – so wird Wissenschaft zum Spiel!

Hallo Peter!

Der Entstehung der Switch-On-Life Plattform geht ein langer Entwicklungsprozess voraus, kannst du dich noch an die Idee erinnern, mit der du an das Projekt herangegangen bist?
Ja, ich hatte bei MED-EL schon verschiedene Aufgaben als Forschungs- und Entwicklungsingenieur, Teamleiter im Bereich Signalverarbeitung, Projektleiter und Themenexperte für das Hören mit zwei Cochlea Implantaten und dann später auch für das Hören mit einem Cochlea Implantat und einem gesunden Ohr. Ich musste mich immer wieder der Herausforderung stellen, wissenschaftliche und technische Zusammenhänge einfach aber doch präzise zu erklären.

Was war dann der Auslöser?
Ein Projekt mit dem Verein Klasse!Forschung gemeinsam mit dem AUDIOVERSUM, in dem ich versucht habe gemeinsam mit einem Fachkollegen die Wissenschaft hinter dem Hören mit zwei Ohren und Implantaten interessierten Schülerinnen schmackhaft zu machen. In einer Reihe von Experimenten haben sich die Schülerinnen dem Thema genähert. Unser eindrucksvollstes Experiment war eine binaurale Hörsimulation. Ich kann mich noch an die erstaunten Gesichter erinnern.

Was ist das?
In dieser Simulation konnten wir unsere Stimme über Kopfhörer an beliebige Orte im Raum bewegen und Störgeräusche und andere Stimmen aus anderen Richtungen einspielen. Und zu guter Letzt haben wir dann einfach ein Ohr ausgeschalten, besser gesagt eine Seite des Kopfhörers.

Game on – so wird Wissenschaft zum Spiel!
Game on – so wird Wissenschaft zum Spiel!

Kannst du uns erklären, warum das Hören mit zwei Ohren so wichtig ist?
Wir haben zwei Ohren damit wir feststellen können aus welcher Richtung eine Schallwelle kommt. Also mit geschlossenen Augen – woher kommt das Auto? Oder in welchem Baum zwitschert der Vogel?
Schön, aber wichtig?
Wenn es um die Reaktion auf Warnsignale geht, dann wird es wichtig. Zuerst hören wir, stellen die Richtung fest, dann erst drehen wir den Kopf und sehen die Quelle. Noch wichtiger sind zwei Ohren, wenn wir uns in lauten Umgebungen unterhalten wollen. Mit zwei Ohren können wir mehrere Schallquellen viel besser voneinander trennen.
Wen möchtest du mit dieser Plattform erreichen, wer kann sich hier ausprobieren?
Meine KollegInnen haben sich in Simulationen mit interessierten SchülerInnen die Experimente  selbst erarbeitet. Nun sind alle herzlich eingeladen, sich dem Hören mit zwei Ohren und weiteren, spannenden Grundlagen der Hörforschung rund um Cochlea Implantate zu nähern.

Wie wird hier gespielt?
Switch On Life ist eine Online-Plattform, also eine Webseite, die Mann und Frau auf jedem Endgerät mit Internet spielen kann. Das Spiel ist wie frühere Video-Games mit zwei echten Schauspielern aufgebaut. Echte Wissenschaftler leiten durch die Handlung und laden zu unterschiedlichsten Aktionen und Experimenten ein. Für die ersten zwei Level braucht man Kopfhörer, immerhin geht es dabei um das Hören mit zwei Ohren.

Ein Ziel ist – wie beim AUDIOVERSUM – die Wissenschaftsvermittlung an Schulen. Auch diese Plattform soll LehrerInnen und SchülerInnen helfen, die Funktionsweise unseres Hörapparates besser zu verstehen. Gibt es schon Ideen wie man diese Plattform in den Physikunterricht integrieren könnte?
Die Plattform ist seit Mitte April mit ersten Inhalten online. Die Webseite und auch die Videos sind in englischer Sprache, was für Schulen sogar noch spannender sein kann. Immerhin geht es dann bei den diversen Experimenten nicht nur darum, Biologie und Physik des Hörvorgangs zu erarbeiten, sondern auch die Auswirkung einzelner Komponenten auf Sprachverständnis und Richtungshören zu ergründen. Die Idee des fächerübergreifenden Lernens kann hier also voll ausgenutzt werden.

Mit dem Workshop „Wie hören wir Töne“ im AUDIOVERSUM Science Center wird die Grundidee der Plattform im kommenden Herbst bereits in das Angebot für Schulklassen integriert.

Peter, vielen Dank für das Gespräch. (Michaela Pletzer)

 

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