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Vinylo-Wer?

15. Oktober 2020

Seit kurzem steht ein besonderes Gerät in der neuen Sonderausstellung WIR HÖREN VINYL im Innsbrucker AUDIOVERSUM: Ein Vinylograph ist ein Schallplattenschneideautomat, der in Echtzeit Tonaufnahmen in eine Vinylplatte ritzt.

Die außergewöhnliche Apparatur wurde von den Wiener KünstlerInnen Natascha Muhic und Christoph Freidhöfer entwickelt und kann noch bis Mitte November bestaunt und ausprobiert werden. Die Idee dazu kam Natascha Muhic 2013 über den Erwerb einer Schallplatte, der sogenannten „Schnitzelbeat Vol1“.

„Der erste Track der Platte wurde auf einem sogenannten Voice-O-Graphen aufgezeichnet, welche vor allem in den 50er und 60er Jahren in den USA populär waren. Auch in der Burggasse in Wien soll eine dieser Tonaufzeichnungskammern dazumal gestanden haben“, so Muhic, die ich bei der Inbetriebnahme und Testen des Vinylopgraphen in der Ausstellung WIR HÖREN VINYL im AUDIOVERSUM treffe.

Vinylo-Wer?
Vinylo-Wer?

Mehrere durchsichtigen Plexiglasteile verbinden sich mit Kabeln und Rädchen, ein Greifarm mit Saugnäpfen befördert die „rohe“ Platte in die richtige Position unterhalb der Diamantnadel. Alles geschieht vollautomatisch und dennoch muss bei jeder Aufnahme nochmals Hand angelegt werden. Ein Staubsauger sollte zeitgleich den entstehenden Polyvinylchlorid-Faden absaugen, der während des Schneidens entsteht, was nicht immer auf Anhieb funktioniert. „Hier muss zu Beginn meist einmal fest gepustet werden, damit er in den Sog des Staubsaugers gelangt“, merke ich mir, während ich Natascha bei der Arbeit mit ihrem Vinylographen beobachte.

„Die transparente Ausführung des Gerätes soll den Aufnahmeprozess sichtbarer und somit erfahrbarer machen“, erklärt mir Natascha. „Der gesamte Schneideprozess ist genau beobachtbar, diese Unmittelbarkeit führt zu mehr Achtsamkeit, Klarheit und Präsenz und ist mit der digitalen Aufnahme nicht zu vergleichen.“

Vinylo-Wer?
Vinylo-Wer?

Ein wesentlicher Faktor im Zusammenhang mit der Idee des Vinylographen ist der Moment. Ein Polaroidfoto wird sorgfältiger inszeniert als ein Digitalfoto, so ähnlich verhält es sich auch mit dem Prozess der Audioaufnahme auf ein analoges Medium wie Vinyl, jede Aufnahme ist somit einzigartig.

Die BesucherInnen des AUDIOVERSUM haben die Möglichkeit, ein solches Vinyl-Unikat zu erwerben, sie können sich mit einer Liebesbotschaft oder einem eigenen Musikstück auf Platte verewigen.

Das eigene Vinylograph-Label veröffentlicht gezielt lokale Größen der Wiener Szene. So sind bereits zahlreiche Kleinsteditionen in aufwändigen Aufnahmesessions entstanden. 2016 spielte der Künstler Voodoo Jürgens in seiner Perfomance „In deiner Nähe – 10 mal anders“ den gleichen Song in 10 unterschiedlichen Versionen live via Vinylograph auf Schallplatte ein.

„In vielen dieser Kunstperformances entsteht ein interdisziplinärer Austausch künstlerischen Schaffens von Musik, der Aufnahme bis zur Gestaltung des Covers“, erklärt Natascha Muhic ihr handwerkliches Kunstprojekt.

Eine Auswahl der bemerkenswertesten Plattencovers der letzten Jahrzehnte zeigt die neue Sonderausstellung WIR HÖREN VINYL im AUDIOVERSUM. Manche wurden von bildenden Künstlern entworfen, andere stammen von den Musikern selbst. Vinylfans sei diese Ausstellung in jedem Fall wärmstens empfohlen!

Eure Michaela

Vinylo-Wer?

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